Jetzt wollen die auch noch Kokain legalisieren! Skandal oder Normalität?


LEAP Deutschland spricht sich für einen neuen Umgang mit Kokain und anderen psychoaktiven Substanzen aus

Als LEAP Deutschland e. V. setzen wir uns abseits parteipolitischer Erwägungen mit Fragen einer evidenzbasierten, klugen Drogenpolitik auseinander – aus der besonderen Perspektive von Gesetzeshütern.

Dabei ist uns bewusst, dass es neben unserer Sichtweise weitere wichtige Betrachtungsweisen gibt, die Grundlage richtiger Schlussfolgerungen sein müssen. Mit entsprechender Aufmerksamkeit haben wir daher verfolgt, wie der renommierte Suchtforscher Heino Stöver (Vorsitzender von akzept e. V.) jüngst seine Forderung untermauerte, auch den Besitz von Kokain zu entkriminalisieren. Dieser Forderung schließen wir uns an!

Grundsätzlich sollte man meinen, dass Argumente eine Debatte dominieren – insbesondere, wenn es um ein gesundheitspolitisches Thema geht, bei dem wir über schwere Erkrankungen und Todesfälle sprechen. Tatsächlich jedoch wird die Drogenpolitik seit Jahrzehnten von Behauptungen und bewussten Falschaussagen bestimmt.

Wir erinnern uns: Wie lange hieß es, wenn Cannabis legalisiert werde, bekämen wir ein massives Drogenproblem bei Kindern und Jugendlichen. Ein von der CDU im Bundestag gern zitierter Mediziner warnte sogar vor hunderten Cannabistoten infolge der Legalisierung.

Doch was ist passiert? Der Besitz von Cannabis ist legal. Die Tendenzen im Konsumverhalten – sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen – sind davon weitgehend unberührt geblieben. Was die Wissenschaft seit Jahren beschreibt, hat sich nun auch praktisch bestätigt: Ein Verbot hat keinen relevanten Einfluss auf das Konsumverhalten der Bevölkerung.

Ich erinnere mich an viele Veranstaltungen, in denen es eigentlich um die Cannabislegalisierung ging. Kontroverse Debatten mit echten Skeptikern, die bereit waren, sich auf Argumente einzulassen. Nicht selten waren die Argumente für eine Legalisierung am Ende überzeugend – und genau das führte immer wieder zu einer zentralen Frage:

Wenn sich gezeigt hat, dass die Prohibition bei Cannabis nicht funktioniert, warum sollte ein evidenzbasierter Ansatz nicht auch bei anderen psychoaktiven Substanzen funktionieren? An dieser Stelle wird aktuell beispielhaft über Kokain diskutiert – nicht, weil es mit Cannabis gleichzusetzen wäre, sondern weil sich hier die Grenzen der bisherigen Verbotslogik besonders deutlich zeigen.

Und genau das passiert jetzt. Wenn die Cannabis-Prohibition falsch war und es bessere Wege gibt, Jugend-, Verbraucher- und Gesundheitsschutz zu verbessern – warum sollte man solche Wege nicht auch bei anderen Substanzen prüfen?

Die Antwort kommt prompt – und sie kommt aus derselben politischen Richtung wie schon vor der Cannabislegalisierung.

Jetzt heißt es, eine Legalisierung sei ein „Signal der Verharmlosung“ und würde den Konsum fördern. Kommt uns bekannt vor. Kokain sei heute viel gefährlicher als früher und dürfe deshalb keinesfalls entkriminalisiert werden. Auch das kennen wir. Wieder wird vor steigenden Todeszahlen und mehr suchtkranken Jugendlichen gewarnt. Dieselben Argumente – nur diesmal geht es um Kokain.

Unstrittig ist: Kokainkonsum ist kritischer einzuordnen als Cannabiskonsum. Gerade deshalb ist es wichtig, sich ehrlich zu fragen, was das Ziel von Drogenpolitik ist – und mit welchen Mitteln dieses Ziel tatsächlich erreicht werden kann.

Ziel muss es sein, den Gesundheitsschutz der Bevölkerung, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, zu verbessern, Suchterkrankungen und Konsumfolgeerkrankungen zu verringern und die Zahl der Todesfälle durch Drogenkonsum zu senken. Dieses Ziel ist der Maßstab. Nichts anderes.

Der Besitz von Kokain ist illegal. Das Mittel ist die Prohibition – ein Ansatz, der weder beim Alkohol noch beim Cannabis funktioniert hat. Gleichzeitig wird von steigenden Konsumzahlen und einer Kokain-Schwemme berichtet. Die Prohibition erfüllt ihren Zweck nicht.

Hinzu kommen Stigmatisierung und Ausgrenzung der Konsumenten. Dabei gilt: Hilfe bei Suchterkrankungen ist umso wirksamer, je früher sie ansetzt. Doch Betroffene bewegen sich im illegalen Raum, agieren aus Angst vor Strafverfolgung im Verborgenen – oft bis es medizinisch bereits zu spät ist. Selbst niedrigschwellige Hilfsangebote bleiben die Ausnahme.

Die Prohibition funktioniert also nicht nur nicht – sie wirkt mit Blick auf die eigentlichen Ziele sogar kontraproduktiv.

LEAP Deutschland e. V. setzt sich daher für eine sachliche Debatte über alternative Wege ein. Uns ist bewusst, dass der Umgang mit Cannabis nicht eins zu eins auf Kokain übertragbar ist. Dennoch braucht es eine ehrliche Auseinandersetzung mit Prävention, Frühintervention und schadensminimierenden Ansätzen, die sich an der Realität orientieren.

Auch beim Kokain befürwortet LEAP Deutschland e. V. eine Abkehr von der gescheiterten Prohibitionslogik und fordert eine offene Debatte über wirksamere Alternativen, wie legale Zugangswege für psychoaktive Substanzen und eine massiv hochgefahrene Präventionsarbeit. Nur so wird es möglich sein, dass der Konsum nicht weiter ansteigen, sich vielleicht sogar verringern wird, und die staatlichen Akteure weltweit wieder die Kontrolle über das Geschehen zurück erobern kann. Andernfalls werden wir es zulassen, dass die Organisierte Kriminalität sich weiter mit astronomischen Gewinnen finanziert, mit den bekannten destabilisierenden Folgen für ganze Staaten, Gesellschaften und Individuen.

LEAP Deutschland e. V. steht dafür als Gesprächspartner zur Verfügung und fordert diese Debatte von Politik und Fachöffentlichkeit ausdrücklich ein.

Autor: Frank Tempel, Vorsitzender von LEAP Deutschland e.V. beschlossen vom Vorstand im Februar 2026

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